Alten-Bashing und Jugendwahn



Am 24. Februar 2019 war in der «NZZ am Sonntag» ein Artikel mit der Überschrift «Alte dominieren Abstimmungen» zu lesen. Tags darauf hat die Aargauer Zeitung eine irreführende Kürzestfassung davon in ihrem Blatt publiziert:

Pensionäre gewinnen fast immer
In der Schweizer Politik vertieft sich laut der «NZZ am Sonntag» der Graben zwischen Jung und Alt. Pensionäre verlören derzeit nämlich kaum eine Abstimmung, während sich die Jungen bei gewissen Fragen nur schwer durchsetzen können. Die Zeitung beruft sich dabei auf die Vox und Voto-Analysen zu den Urnengängen der jetzigen Legislatur.

In der Kurzmitteilung wird der Sachverhalt stark verzerrt dargestellt, insbesondere der Titel. Ist die Gruppe Ü60 grösser als die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, dann ist ja wohl klar, dass die grössere gewinnt, völlig unabhängig, wie die kleinere abstimmt, falls die Gruppen homogen sind. Insbesondere, wenn die Gruppengrösse wie hier völlig willkürlich gewählt wurde. Und wenn dann die Mitglieder der grösseren Gruppe auch noch häufiger an die Urne gehen und nicht so abstimmungsfaul sind wie die anderen, dann leuchtet es ein, dass der Titel der Kurzmeldung völlig irreführend und ein blosses Alten-Bashing ist. Der unablässige Ruf nach Abstimmungsalter 16, null (!) oder doppeltes Stimmgewicht für die Jungen ist – mit Verlaub – hirnrissig.


Generationenkonflikt? Im umfangreichen Artikel der «NZZ am Sonntag» selbst heisst es weiter unten: «Sporadisch gebe es sicher Unterschiede, nicht aber ein systematisches Überstimmen. […] dass die Alten durchaus häufig im Sinne der Jugend abstimme. Bei 23 von 30 Abstimmungen gab es keine Differenz zwischen Jung und Alt. Bildungsniveau und Einkommen fallen stärker ins Gewicht. Die Daten sind insofern mit Vorsicht zu interpretieren, als die Basis der Befragungen häufig sehr schmal ist und die Fehlertoleranz entsprechend hoch.»


Übrigens beträgt der Anteil der Senioren und Seniorinnen bei den Stimmberechtigten rund 25 Prozent! Und sie sind in den Parlamenten – trotz Interesse und gegenteiligen Behauptungen – praktisch nicht vertreten. Demokratische Wahlen, undemokratische Ergebnisse.


Wieso gerade die AZ im Titel des Artikels am beliebten Alten-Bashing und Jugendwahn mitmacht, wird nicht klar. Ignoranz? Respektlosigkeit? Wir erwarten eine deutliche Änderung. Wir sind 25 Prozent. In Ehren älter geworden.


(Dieser Beitrag wurde am 1.3.2019 als Leserbrief in der Aargauer Zeitung publiziert.)


Foto: Gerd Altmann


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