• Clivia Koch

Ist die Schweiz ein fortschrittliches Land im Punkto Diversität?



Keines unserer Nachbarländer hat eine so grosse kulturelle Vielfalt. Wir sind stolz auf das gute Zusammenleben von unterschiedlichen Bevöllkerungsgruppen mit vier verschiedenen Sprachen und Kulturen auf engem Raum. Doch mit älteren Menschen tun wir uns schwer!

Auf jeden Fall gelten sie in Politik und Wirtschaft immer seltener als ernstzunehmende oder beachtenswerte Subjekte, die ein Recht auf Mitsprache und Einflussnahme haben.


Als Vorsorgespezialistin und Organisationsentwicklerin sei es mir gestattet, mich auch mit dem Potential der älteren Mitarbeitenden zu beschäftigen.


Studien belegen längst:

Die Abnahme verschiedener körperlicher und seelisch-geistiger Fähigkeiten (das sogenannte "functional age") ist mit Bestimmtheit nicht nur an ein chronologisches Alter gebunden. Altern ist unter anderem abhängig von biologischen und sozialen Faktoren, die auf den Menschen während eines ganzen Lebens einwirken. Hierbei sind unter anderem Schulbildung, berufliches Training, Weiterbildung, Lebensstil und Reaktionen auf Belastungen ausschlaggebend.


Von daher sind alle starren Altersgrenzen beim Eintritt in den Ruhestand zu hinterfragen!


Im Alter wird deutlich sichtbar, ob die Entwicklung eines Menschen in der sozialen Phase aufsteigend, stagnierend oder absteigend ist. Wer in den vorhergehenden Lebensabschnitten bereits geistig und seelisch aktiv war, lebhaftes, vielfältiges Interesse zeigte, sich neuen Gebieten zuwandte und ständig von seiner Erfahrung noch weiter lernte, wird im Alter geistig regsam sein und über einen riesigen Schatz von Wissen und Erfahrung verfügen. Ganz einfach sagen unsere Hirnforscher: «Use it or lose it» - nur, was wir nicht nutzen, verkommt und bildet sich zurück. Bevormundung der älteren Generation ist also nicht notwendig.


Übergriffiges Verhalten der jüngeren Generationen braucht niemand über 60. Denn die Zeit von 60 bis 90 ist genauso lang wie die von 30 bis 60.


Nur wenn ein Mensch mit dem Erwachsenwerden die Verantwortung für seine Selbstentwicklung ergreift, können die vorhandenen Potentiale entfaltet werden! Das basiert einerseits auf der Selbstverantwortung. Andererseits sind Unternehmen und Politik gefordert. Denn die Erfahrung zeigt, dass sich Unternehmen einseitig und nachteilig entwickeln, wenn sie nur auf die Kräfte der 30- und 40-jährigen Menschen bauen und die Potentiale der späteren Altersstufen ab Ü50 nicht zu nutzen verstehen.




Entsprechend dumm ist es, das Älterwerden in der Gesellschaft als ein Abbau der Fertigkeiten und Fähigkeiten zu betrachten. Menschen lassen sich erst gehen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Die Aussicht alleine auf ewigen Urlaub garantiert keine höhere Zufriedenheit und Lebensqualität. Die heutigen Siebziger sind die ehemaligen Fünfziger. Besonders in einer alternden Gesellschaft – in der es aktuell immer schwieriger wird Fach- und Führungskräfte zu finden - können wir nicht auf Leute mit einem breiten Erfahrungsschatz und Horizont verzichten.


Selbsternannte Therapeuten und respektlose Bevormunder der älteren Generation werden Organisationen und Gesellschaft nicht weiterbringen. Der Generationen-Mix macht es aus.

Das Zusammenspiel von frischem Wissen gepaart mit jugendlichem Elan und der Erfahrung inklusive gesunder Skepsis der älteren Generation können unschlagbar sein.


Selbst der Rat der Europäischen Union forderte die Mitgliedstaaten im Juni 2010 auf, aktives Altern zu einer politischen Priorität für die folgenden Jahre zu machen. Das Jahr 2012 wurde zum Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen erklärt.

Hat die Schweiz davon nichts mitbekommen? Auf jeden Fall gelten hier die Senioren und Seniorinnen selten als ernstzunehmende oder beachtenswerte Subjekte, die ein Recht auf Mitsprache und Einflussnahme haben.

Unser Rentensystem verträgt keine Alters-Guillotine mehr. Die «magische Zahl» 65 ist nach wie vor noch in den Köpfen der Leute eher negativ verankert und sicherlich nicht besetzt mit Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Vitalität. Diese magische Zahl stammt noch aus Zeiten Bismarcks aus dem Jahre 1889, also aus dem vorletzten Jahrhundert.


Mein Anliegen ist es, diesen alten Zopf endlich abzuschneiden und damit der Altersdiskriminierung entgegenzuwirken, um so die Zahl «65» neu positiv zu besetzen –


d.h. nicht durch Konzentration auf Verärgerung, sondern durch Konzentration auf Veränderung. Mein Motto lautet: Weg von der Opferhaltung hin zu einer gestalterischen Grundhaltung. Ich stehe für Integration und nicht für Separation.

Persönlich hoffe ich als Rollenmodell, mit 70 Jahren nach wie vor noch voll im Berufsleben zu stehen. Ich freue mich heute bereits auf die Herausforderungen der Digitalisierung, denn diese fördert neue Denk- und Lösungsansätze, um auch als KMU in diesen disruptiven Zeiten erfolgreich zu sein. Und gerade der offene Austausch zwischen den unterschiedlichen Generationen fördert die Produktivität, Innovation und Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Schweiz.


Clivia Koch



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